Smartphone - Fluch oder Segen?

von Christian Röckl (Kommentare: 2)

Als Steve Jobs 2007 das erste iPhone auf den Markt brachte, konnte noch keiner ahnen, wie groß der Einfluss auf unseren Alltag sein wird. Was ist passiert? Dazu muss man erst mal zurückblicken auf die Zeit vor dem Smartphone. Könnt Ihr euch noch erinnern -  Nokia 3310 :-) ?

Schon damals hatte Email und SMS großen Einfluss auf unser kommunikatives wie soziales Verhalten. Aber doch wurde noch miteinander gesprochen und der Austausch von Informationen fand in der wirklichen Welt statt. Schön war es, als man sich noch regelmäßig zum Stammtisch traf und jeder was zu erzählen hatte. Wenn ich damals zu meinen legendären Isarpartys eingeladen habe  (Einladung ging per Post raus), sind 100% aller Personen die zugesagt haben auch gekommen. Man hat halt nicht einfach mal auf Knopfdruck zugesagt!

Seit dieser Zeit hat sich aber einiges geändert, wir leben virtuell. Facebook dient als  Ersatz für den Stammtisch. „Freunde“ ist mehr ein Synonym geworden und hat mit Freundschaft nichts mehr zu tun. Auf Veranstaltungen sagen 100 Personen (Freunde) zu, ist ja auch einfach mit einem Klick erledigt. Am Schluss sind es dann 40!  

Tugenden, wie z.B. Pünktlichkeit, gehen verloren - denn man kann ja schnell per Whatsapp oder Facebook-Messenger informieren. Ist halt doch einfacher, als wenn man einem das direkt sagen muss, dass man ihn nun eine halbe Stunde warten lässt.

Natürlich hat Facebook und Co auch dafür gesorgt, dass sich weltweit Menschen virtuell kennenlernen und auch auf wichtige Dinge des Lebens hinweisen. Aber das ist nicht der Kern dieser Medien. Das Social in Social Media ist auf die Gesellschaft bezogen und hat nichts mit dem erweiterten Sinn von hilfsbereit oder barmherzig zu tun. Das findet in der analogen Welt statt. Haben wir das vergessen?

Um nun wieder auf den Titel des Blogbeitrags zurückzukommen. Man hat das Gefühl, dass den Menschen das Smartphone an die Hand geklebt wurde. Wenn man durch die Straßen in München geht hat jeder Dritte ein solches in der Hand und läuft vor sich hin. Die bekommen nicht mit was um sie herum passiert sondern starren auf ihr Display. Ich frage mich, was gibt es so wichtiges, dass ich das unterm Gehen machen muss?
Selbst wenn sich Freunde treffen hat immer ein Teil ein klebriges Smartphone.  

Das Smartphone hat uns voll im Griff - die Gesellschaft entwickelt den Zwang, immer und überall erreichbar zu sein, Realtimer virtuell zu kommunizieren, alles will sofort beantwortet werden. Findet unser Gehirn noch Zeit zu entspannen, für reale Welten oder sind wir bereits Gefangene der virtuellen Welt.

Entschleunigen ist mein Motto für 2017 - die Sofortnachricht ist bereits abgeschaltet, somit kommt man auch nicht in Versuchung. Ich rufe nun alle Nachrichten aktiv ab und beantworte diese nach Priorität, so einfach hat man auf einmal mehr Zeit. Mal schauen, was noch alles geht - auf jeden Fall will ich auch wieder mehr zum Telefon greifen als eine Message zu versenden.

Also legt euer Smartphone mal auf die Seite und geht wieder ein Bier trinken :-)

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Kommentar von Philipp |

Guter Vorsatz.
Vor allem ist in einem 30 Sekunden Telefonat immer mehr gesagt und besprochen als in 5 Minuten nachricht schreiben.

Hey , und außerdem hält der Akku viel länger wenn man nur manuell abruft. (gut nicht ganz so lang wie beim 3310 :-) )
Gruß Philipp

Kommentar von Stefan L. |

Ich lass jetzt mein iPhone Tags über wenn ich bei Kunden bin grundsätzlich im Auto und der Klingelton ist aus. Nur Abends auf der Kautsch muss ich mich noch mehr zurück halten. Bis bald mal wieder. Würde mich mächtig auf ein, zwei Bier freuen.